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Der Standpunkt
Martin Kuster
Martin Kuster zum Thema "Sportstätten-Verlagerung"

Falsch entschieden!

Dass parlamentarische Mehrheiten nicht immer auch richtige Entscheidungen garantieren, hat der Voerder Stadtrat mit der beschlossenen Auslagerung der beiden Wohnort nahen und bewährten Sportanlagen "Am Tannenbusch" und "Heidesiedlung" aufs Neue bewiesen. Denn die Argumente gegen den teuren Bau einer abgelegenen neuen Sportanlage sind eindeutig:

1. Zum Argument der Ratsmehrheit "Schaffung benötigter Wohnflächen": Man muss nur einmal durch das Stadtgebiet fahren oder den Immobilienmarkt in den Zeitungen stöbern, um festzustellen, dass mehr als genügend Wohnflächen zur Verfügung stehen, die in Voerde vermarktet werden können. Zudem hat die Bevölkerung in unserem Stadtgebiet in den vergangenen drei Jahren um über 550 Einwohner (1,5 Prozent) abgenommen!

Damit ist Voerde trauriger Spitzenreiter im Kreis Wesel. Das bedeutet: Wohnflächen müssen schon von daher mehr als genügend zur Verfügung stehen, aber offensichtlich ist Voerde vielen Bewohnern zum Beispiel in Sachen Familien- und Kinderfreundlichkeit oder Freizeitangeboten nicht attraktiv genug!

2. Verlust an Wohnqualität: Noch bis vor wenigen Jahren wurden die neuen Wohnflächen in der Heidesiedlung unter anderem mit dem guten Verkaufsargument einer nahe gelegenen Sportanlage vermarktet. Kaum hat man sich hier wohnlich eingerichtet, beschließen die Fraktionen CDU, SPD, FDP und UVW kurzerhand, ihnen dieses nahegelegene Freizeitangebot wegzunehmen und damit die Wohnqualität drastisch zu mindern. Auch die Einwohner rund um den Sportplatz "Am Tannenbusch" werden eine Minderung der Wohnqualität zu spüren bekommen: Nicht nur, weil auch hier ein wohnortnahes Freizeitangebot wegfällt, sondern weil die Sportanlage bislang eine zu dichte Besiedelung verhinderte und das Wohnviertel auflockerte.

3. Belastung des Stadthaushalts: Würde eine Sanierung der beiden Sportanlagen aufgrund des Sparzwangs nicht finanzierbar sein, könnte man eine Zusammenlegung zumindest noch finanziell begründen. Völlig absurd wird es aber, wenn eindeutig feststeht, dass der Neubau eines abgelegenen Sportplatzes die Stadt Voerde teurer zu stehen kommt als eine notwendige Sanierung und Instandhaltung der beiden bewährten wohnortnahen Sportplätze!

4. Verfehlte Wirtschaftspolitik: Die Sportanlage ausgerechnet auf einer Fläche errichten zu wollen, die Teil eines boomenden Gewerbe- und Industriegebiets ist, dessen Erschließung zudem noch vom Land gefördert wird, und damit die Schaffung dringend notwendiger Arbeitsplätze zu verhindern, ist eine völlig verfehlte Wirtschaftspolitik. Die Bevölkerung mit dem Schreckgespenst eines Kraftwerks verunsichern zu wollen, ist purer Populismus, weil für eine solche Gefahr keinerlei Anzeichen vorhanden sind. Das Beispiel des wachsenden Unternehmens Winergy im gleichen Industriegebiet zeigt jedoch die Potentiale dieser Fläche.

Fazit: Es gibt leider immer noch viel zu viele Politiker, die mit ihrem Prestigedenken "Wir bauen, also sind wir" Steuergelder verschleudern. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Voerder Fraktionen WGV und Grüne ihren offensichtlich leider aussichtslos erscheinenden Kampf gegen dieses Vorhaben mit ihren guten Argumenten dennoch weiterkämpfen.

Ihr
Martin Kuster

Quelle: Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH Publikation: Rheinische Post Dinslaken Ausgabe: Nr.159 Datum: Donnerstag, den 10. Juli 2008 Seite: Nr.11
Martin Kuster - Kreistagsmitglied für die Wählergemeinschaft Voerde